Vorhang auf für das Lebenswerk von Prof. Volker Ellwanger

Am Freitag, dem 24.10.2025 um 19 Uhr ist es so weit: das Stadtmuseum für Kunst und Geschichte Hüfingen öffnet die Pforten seiner neuen Ausstellung mit Werken des renommierten Künstlers und Keramikprofessors Volker Ellwanger und zugleich auch die neuen Museumsräume an der Hauptstraße 4 für die Besucher*innen und schlägt dadurch ein neues Kapitel der Hüfinger Museumsgeschichte auf.

In den von der Stadt Hüfingen eigens angekauften Räumen findet die hochkarätige Sammlung mit Keramik und Malerei von Volker Ellwanger aus Lenzkirch, die der Künstler der Stadt Anfang des Jahres geschenkt hat, ein neues Zuhause und wird dadurch allen Interessierten kontinuierlich zugänglich gemacht.

Die Schenkung, eine große Ehre für die Stadt und das Stadtmuseum, rückt Hüfingen ein weiteres Mal als Keramikhochburg ins Zentrum der Aufmerksamkeit, handelt es sich bei Volker Ellwanger doch um einen der bedeutendsten deutschen Keramiker der Nachkriegszeit, der wesentliche Strömungen der Keramik des 20. Jahrhunderts nicht nur selbst geprägt, sondern auch durch seine zahlreichen Studierenden, herausragende Künstler*innen wie beispielsweise Martin Schlotz, Sybille Abel-Kremer und Roswitha Winde-Pauls, weiterentwickelt hat. Auch die Hüfinger Keramikwochen wären ohne Ellwanger undenkbar gewesen – er selbst, seine Frau Veronika Ellwanger, ebenfalls bekannt als Künstlerin und Keramikerin mit bemerkenswerter, charakteristischer Formensprache, und viele seiner Studierenden bestritten Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im Rahmen der traditionsreichen Hüfinger Veranstaltung.

Im Zentrum des keramischen Schaffens von Volker Ellwanger stand stets das Gefäß. „Doch was ist ein Gefäß?“, fragt Ellwanger. „Ein Gefäß zu erkennen, erfordert einen Lernprozess. Dieser fragt nicht primär nach dem Gebrauchswert des Gefäßes, er sucht den ästhetischen Wert. Es ist ein Irrtum zu glauben, der ästhetische Wert eines Gefäßes müsse sich durch dessen Gebrauchswert verringern. Wir alle besitzen Gefäße, die uns im Gebrauch „ans Herz“ gewachsen sind. Aber es ist auch ein Irrtum, zu glauben, ein Gefäß würde (automatisch) zum Kunstwerk, wenn man es seiner Brauchbarkeit entzieht.“

„Volker Ellwangers tiefgründige – philosophische – Auseinandersetzung mit dem Material Ton, aber auch mit Form und Farbgebung, dem Gefäß als Prinzip, als Haltung, und darüber hinaus noch mit der Werkgruppe der Malerei kombiniert zu untermauern und als kleine „Zeitreise“ durch über sechzig Jahre künstlerischen Schaffens zu visualisieren, war Ziel und Herausforderung der Ausstellung“, konstatiert Kuratorin Ariane Faller.

Gemeinsam mit der Stadt Hüfingen und dem Förderkreis des Stadtmuseums ist sie überzeugt davon, dass die neuen Räume eine optimale Präsentation der Sammlung ermöglichen. Volker Ellwanger,1933 in Baden-Baden geboren, absolvierte von 1949 bis1953 eine Töpferlehre in der Kachelofenfabrik Emil Löw, Baden-Baden. Von 1953 bis 1954 folgte ein Studium an der Werkakademie Kassel bei Prof. E. Roettger (Vorlehre) sowie bei Signe Pistorius (Keramik). Von 1955 bis 1956 besuchte er die Werkkunstschule Darmstadt bei F. Th. Schroeder und Margarete Schott im Fach Keramik, 1956 bis1957 schloss sich die Meisterschule für das Kunsthandwerk in Berlin bei Prof. Jan Bontjes van Beek an, das er mit dem Abschluss zum Diplomdesigner vollendete.

In den Jahren 1958 und 1959 stand die Tätigkeit in der Industrie sowie der Aufbau einer eigenen Werkstatt in Lenzkirch im Vordergrund. Von 1960 bis 1970 arbeitete Ellwanger freischaffend, ab 1971 bis 1984 als Lehrer an der Schule für Gestaltung in Bern (Schweiz), wo er Leiter des Bereichs Gestaltung im Fachgebiet Keramik war und einen Lehrauftrag in Kunstgeschichte und Technologie der Keramik inne hatte. 1973 erhielt er den Westerwaldpreis für freistehende Plastik, in den Jahren 1974 und 1980 den Staatspreis des Landes Baden-Württemberg.

1978 berief ihn die Académie Internationale de la Céramique in Genf zum Mitglied im Deutschen Werkbund, 1984 folgte die Berufung zum Professor im Fachbereich Bildende Kunst an die renommierte Johannes Gutenberg-Universität Mainz, an der er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 lehrte.

In späteren Jahren stand die künstlerische Beschäftigung mit der Malerei, die Ellwanger zeitlebens am Herzen lag, im Vordergrund, aus der ein ebenfalls beachtliches malerisches Werk wuchs.

In der neuen Dauerausstellung wird daher nicht allein Volker Ellwangers keramisches Werk zu sehen sein, sondern auch eine Auswahl seiner Malerei.

Ein regelmäßiger Wechsel der malerischen und keramischen Arbeiten unter der Beleuchtung unterschiedlicher zeitlicher Einflüsse und relevanter werkimmanenter Zusammenhänge ist geplant.

Volker ellwanger 1996 steinzeug lenzkirch

Anlässlich der Vernissage am Freitag, dem 24.10.2025 sprechen Dr. Martin Seuffert, Stellvertretender
Landrat und Erster Landesbeamter, Patrick Haas, Bürgermeister Stadt Hüfingen, Joachim Seidel,
Vorsitzender Förderkreis Stadtmuseum Hüfingen, und Kuratorin Ariane Faller. Das Schlusswort spricht Prof. Volker Ellwanger und eröffnet damit die Dauerausstellung, die seinem Lebenswerk gewidmet ist.

Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Trio possibile mit Ingrid Fromm, Flöte, Johannes
Tritschler, Klarinette, und Thomas Bühler, Fagott.

Volker Ellwanger, Vase, Lenzkirch 1996, Steinzeug (Foto: Stadtmuseum Hüfingen/Mateusz Budasz)
Ausstellungsdaten:
Volker Ellwanger
ab 24.10.2025
Vernissage: Freitag, 24.10.2025, 19 Uhr

Es sprechen:
Dr. Martin Seuffert, Stellvertretender Landrat und Erster Landesbeamter
Patrick Haas, Bürgermeister Stadt Hüfingen
Joachim Seidel, Vorsitzender Förderkreis Stadtmuseum Hüfingen
Ariane Faller, Kuratorin
Prof. Volker Ellwanger
Musikalische Umrahmung: Trio possibile (Flöte, Klarinette, Fagott)
Stadtmuseum Hüfingen, Nikolausgässle 1/Hauptstraße 4, D-78183 Hüfingen,
www.stadtmuseumhuefingen.de
geöffnet sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Führungen und Workshops auf Anfrage