Lucian Reich der Jüngere

Leben

Lucian Reich (*Hüfingen, 26. Februar 1817, †Hüfingen, 21. Juni 1900) war als Malerpoet ein für Hüfingen bedeutender Künstler, der in seinem Werk der Baar und dem Schwarzwald ein Denkmal setzte. Leben konnte er von seiner Kunst nur bedingt. Er fand sein Auskommen als Zeichenlehrer in Rastatt und hinterließ ein vielfältiges und viel beachtetes schriftstellerisches und malerisches Werk.
Ebenso wie sein älterer Bruder Franz Xaver erhielt Lucian Reich ersten Unterricht in der Mal- und Zeichenschule des Vaters. „Von frühster Jugend an wusste ich nichts anders, als dass ich Maler werden wollte“, schrieb er in seinem Denkbuch.
Im Jahr 1833 folgte er seinem Bruder nach Frankfurt, um sich im Städelschen Institut in der Malerei ausbilden zu lassen. Philipp Veit (1793 – 1877) aus dem Kreis der Nazarener, der damalige Direktor, wurde sein Lehrer. Reich selbst arbeitete hingegen lieber nach der Natur. Da ein Versuch seine Ausbildung in Düsseldorf fortzusetzen scheiterte, kehrte Reich 1835 wieder nach Hüfingen zurück.
Dort versuchte er zunächst von seiner Kunst zu leben, und ging, als dies scheiterte nach Karlsruhe. Carl Frommel (1789 – 1863), der seine Arbeitsproben schätzte verhalf ihm schließlich zu einem Stipendium in München. Sein Versuch, sich als Genremaler ausbilden zu lassen, scheiterte aus Mangel an Gelegenheit, jedoch wurde er in einen illustren Künstlerkreis aufgenommen und lernte so romantische Poeten wie Clemens Brentano und Hans Christian Andersen kennen.
Bedeutend wurde die Bekanntschaft mit Moritz von Schwind, der mit Reich gemeinsam zu Studienzwecken den Schwarzwald, die Baar und den Hegau bis zum Bodensee durchwanderte. Als Schwind 1842 nach Karlsruhe gerufen wurde, erging an Lucian Reich, wie auch an seinen Bruder Franz Xaver, die Bitte, sich an der Ausmalung des Stieghauses der Kunsthalle zu beteiligen. Nach Entwürfen von Schwinds schuf Reich dort verschiedene Fresken und Verzierungen.
In Karlsruhe fand Reich auch Anschluss an eine literarische Gruppe um Professor Guido Schreiber, Josef Bader und Bertold Auerbach. Für letzteren zeichnete er Illustrationen zu seinem „Hebelschoppen“ für die Gartenlaube, einer damals vielgelesenen Illustrierten. Für Hermann Kurz  (1813 – 1873) entwarf er bildliche Beigaben des „Familienbuchs“.
Als Kurz Lucian Reichs Genrebild der betenden Mutter mit Kind sah, veranlasste er ihn, einen passenden Text zu verfassen. So entstand die erste Novelle „Der arme Konrad und des Vogts Mariann“.
Nachdem sein Auftrag in Karlsruhe beendet war, zog es Reich wieder nach Hüfingen zurück. Er plante, seine Skizzen und Notizen von der Baar und aus dem Schwarzwald in einer Publikation zusammen zu fassen und durch Beiträge seines Vaters zu ergänzen. Als der Fürst zu Fürstenberg ihm einen Vorschuss in Höhe von 600 Gulden  gewährte, sah er seine Pläne Wirklichkeit werden.
Durch die Revolution 1848/49 verzögerte sich die Veröffentlichung, die schließlich 1853 im Kommissionsverlag Malsch und Vogel in Karlsruhe unter dem Titel: „Hieronymus, Lebensbilder geschildert von Lucain Reich mit der Feder auf Stein gezeichnet von J. Nepomuk Heinemann“, erschien.
Der „Hieronymus“ wurde zu einer Perle der Volksliteratur, die viel Anerkennung fand. Die erste Auflage war bald vergriffen, das wirtschaftliche Ergebnis jedoch weniger ermutigend. Nach Rückzahlung des Vorschusses blieb sogar noch ein merkliches Defizit, so dass Reich von einer Zweitauflage vorläufig absah. Diese erschien erst 1886 beim Verlag Creuzbauer in Karlsruhe.
Fast zeitgleich mit dem „Hieronymus“ gab Reich als Hausbüchlein für die Jugend die Erzählung „Bruder Martin“ heraus, welche die Geschichte des Deutschordens auf der Insel Mainau und die heiligen Stätten der Christenheit thematisiert. Dort findet sich auch das Weihnachtslied „Es kam die gnadenvolle Nacht“, das später von Johann Wenzel Kalliwoda vertont wurde. Der Pädagoge und Theologieprofessor Alban Stolz lobte schliesslich die Erzählung als eine der besten und den wenigen Jugendschriften.
Zwei Jahre nach dem „Hieronymus“ gab Reich, wieder in Zusammenarbeit mit J. N. Heineman, die „Wanderblüten aus dem Gedenkbuch eines Malers“ heraus, die auch eine Biografie von Johann Baptist Seele enthielten. Etwa zeitgleich bekam er vom Prinzregenten Friedrich die Aufgabe, die Insel Mainau und den Bodensee dichterisch und mit Landschaftsbildern zu beschreiben. Dieses Buch erschien 1856 und brachte Reich eine Medaille für Kunst und Wissenschaft ein.
Da aber all diese Arbeiten nur einen geringen Verdienst einbrachten, nahm Reich 1855 eine Zeichenlehrerstelle am Lyceum in Raststatt an. Die Stelle war mit 600 Gulden. bei 10 – 12 Wochenstunden Unterricht eher gering honoriert, zudem seine Aufgabe lediglich darin bestand, den unteren fünf Klassen erste technische Fähigkeiten des Zeichnens beizubringen.
So kam er nicht ohne Nebentätigkeiten aus und richtete gegen eine kleine Miete ein Atelier im Schloss ein. Mehr als zehn Jahre lang verfasste er feuilletonistische Beiträge für die Karlsruher Zeitung, zeichnete und modellierte für die Porzellanfabrik Schramberg und für die Herrnhuter Gemeinde in Königsfeld. Darüber hinaus entstanden mehrere Ölgemälde für Kirchen.
Erst mit 73 Jahren ließ Reich sich 1890 pensionieren und wurde mit der Verleihung des Ritterkreuzes vom Zähringer Löwenorden verabschiedet. Seine Pension betrug allerdings nur 71,50 Mark/Monat. Bis zu seinem Tod am 21. Juni 1900 wurde er von seiner einzigen Tochter Anna gepflegt.

Werk

Im Mittelpunkt von Lucian Reichs künstlerischen Nachlass stehen seine Bücher „Hieronymus“ und „Die Insel Mainau und der badische Bodensee“. Reich gilt als Mundart- oder Heimatdichter, der auch journalistisch tätig war.
Diese Betrachtungsweise vernachlässigt jedoch die Tatsache, dass er auf vielen künstlerischen Gebieten präsent war. So war es beispielsweise auch als Freskomaler tätig und hat neben seinen bekannten Zeichnungen auch in Öl gearbeitet. Es entstanden Buchillustrationen und zahlreiche Skizzen, aber auch Portraits, Bilder für Kirchen, sowie Uhrenschilder und gar Entwürfe für Porzellangeschirr.
Dass es Lucian Reich nicht so gut wie dem Vater und dem älteren Bruder gelang, durch seine künstlerische Tätigkeit ein Auskommen zu haben, wurde von Zeitgenossen auf sein überaus bescheidenes Wesen zurückgeführt. Manchen seiner ehemaligen Schüler und Bekannten wurde erst angesichts der Verleihung des Zähringer Löwenordens klar, dass Reich sich dauerhaft und anerkannt als bildender Künstler bewährt hatte.

Wirkung

Seine Wirkung entfaltete Lucian Reich besonders im Kreis der Heimatfreunde, zu denen die Hüfinger Mundartdichter Gottfried Schafbuch und Julius Straub zählen. Dies führte auch zu einer Neuauflage des Hieronymus 1958. Die Grund- und Hauptschule in Hüfingen bekam im Andenken Lucian Reichs dessen Namen.
Neben einer großen Ausstellung zur Wiederkehr des 75-ten Todestags 1975 in der Festhalle von Hüfingen, wurde und wird er auch vom Stadtmuseum Hüfingen in Ausstellungen geehrt.
Inzwischen liegt auch die Doktorarbeit von Jenny Dopita zum Leben und Werk Lucian Reichs d. J. vor, die in der kunsthistorischen Reihe der Stadt Raststatt erschienen ist.

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